Führender Theaterschauspieler Israels verabschiedet sich nach Deutschland und unterstützt BDS

01.10.2018

Categories: Kultur

Itay Tiran, der weithin bekannt ist „als Israels führender Theaterschauspieler und -regisseur“, sprach sich in einem Interview mit der israelischen Zeitung Haaretz für die palästinensisch geführte Kampagne für Boykott, Desinvestition und Sanktionen (BDS) aus. Auszüge aus dem Interview mit ihm wurden gestern, kurz vor seiner Abreise nach Deutschland, veröffentlicht. „BDS ist eine legitime Form des Widerstands. Und wenn wir eine bestimmte Art von politischer Diskussion propagieren wollen, die nicht gewalttätig ist, müssen wir diese Stimmen stärken, auch wenn es schwierig ist“ sagte Tiran und fügte hinzu: „ich denke eine normale politische Linke sollte BDS unterstützen“.

„Schliesslich ist es egal, was ein Palästinenser macht. Wenn er einen Terrorakt begeht, wird er als gewalttätiger, blutrünstiger Terrorist bezeichnet und wenn er BDS unterstützt, ist er ein politischer Terrorist.“

Weiterhin fügte Tiran hinzu „wenn das, was hier letztendlich zu einer Lösung führt, gewaltfreier Druck sein wird, der als politischer Dialog geführt wird, warum sollte man ihn nicht unterstützen? Es ist ein humanistischer Ansatz, und es ist auch praktisch, und ich denke, es wird die nächsten Kriege verhindern“.

Tiran, 38, unterstützte Haaretz zufolge zuvor den Boykott des Kulturzentrums in der Siedlung Ariel, im besetzten Westjordanland. Er wird zukünftig in Deutschland und Österreich arbeiten. Auf die generelle politische Situation in Israel eingehend meinte er, „du stehst morgens auf, trinkst deinen Kaffee und liest die Zeitung. Du schaust dir einen Artikel an und sagst dir, ist das jetzt der Moment, in dem wir faschistisch geworden sind, oder nicht?

Bei der Diskussion über das kürzlich verabschiedete Gesetz über den jüdischen Nationalstaat erklärte Tiran, dass „es eine Art kollektives Unterbewusstsein fördert, das hier immer existiert hat“. „Die Unabhängigkeitserklärung und die Rede von Gleichheit und Werten, all das war die Selbstdarstellung von Kolonialisten, die sich mit aufgeklärtem Liberalismus brüsten. Es gibt Leute hier, die sich selbst als Mitte-links bezeichnen und trotzdem denken, dass es reicht das Wort Gleichheit ins Gesetz zu schreiben. Ich denke das stimmt nicht. Und tatsächlich, das berechtigte Gegenargument der Rechten war, halt mal, aber es gibt doch das Rückkehrer-Gesetz. Warum macht dich nur das Nationalstaatsgesetz verrückt?“

Die Frage von Haaretz ob „Zionismus in jedem Fall gleich Rassismus sei“ beantwortete er mit Ja. Auf die erneute Frage, ob „Zionismus gleich Kolonialismus ist“, antwortete Tiran: „Ja, genau. Also müssen wir alle der Wahrheit ins Gesicht schauen und uns dann auf eine Seite stellen.“

 

Quelle: middleeastmonitor.com
Übersetzung: M. Kunkel, Pako – palaestinakomitee-stuttgart.de

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