Schweizer Köchin hilft bei kulinarischer Weisswaschung

23.11.2018

Categories: Kultur

In einem offenen Brief haben im September 2018 palästinensische Gewerkschaften, Frauen- und Landwirtschaftsverbände internationale Spitzenköch*innen aufgerufen, eine Teilnahme an der Round Tables Tour in Israel auszuschlagen. Denn mit diesem kulinarischen Festival wird versucht, von den schweren und systematischen Menschenrechtsverletzungen Israels abzulenken. Der Anlass wird vom israelischen Aussenministerium gefördert, das im Rahmen einer Kampagne mit dem Namen «Brand Israel» kulturelle Veranstaltungen aller Art dazu missbraucht, um Israel propagandistisch als demokratisches und freies Land darzustellen, was es aber nur für einen Teil der Bevölkerung ist.

Tel Aviv, Austragungsort des Festivals, liegt nur rund 70 km vom Gazastreifen entfernt. Im letzten halben Jahr wurden von israelischen Scharfschützen in der von Israel militärisch abgeriegelten und kontrollierten Küstenenklave 228 Palästinenser*innen, darunter Kinder, Journalisten und eine 21-jährige Sanitäterin, während gewaltfreien Demonstrationen erschossen und mehr als 24‘000 verletzt. Die Proteste richteten sich auch gegen die unmenschlichen Lebensbedingungen. Laut dem UN-Welternährungsprogramm haben 39% der Bewohner*innen des Gebiets keinen sicheren Nahrungsmittelzugang, vom fehlenden Zugang zu sauberem Trinkwasser ganz zu schweigen. Der israelische Regierungsberater Dov Weisglass sagte zur Abriegelungspolitik Folgendes: „Die Idee ist, die Palästinenser*innen auf Diät zu setzen, ohne sie vor Hunger sterben zu lassen.“

In diesem Jahr versuchte das Festival Round Tables, sich mit einer „weiblichen Ausgabe“ einen feministischen Anstrich zu geben. Doch gerade palästinensische Frauen tragen nicht nur im Gazastreifen, wo der Nahrungsmittel- und Wassermangel besonders gravierend ist, sondern in ganz Israel/Palästina die Hauptlast der Besatzung und Apartheid. Ein feministisches Statement wäre, gegen diese doppelte Marginalisierung aufzustehen, und bestimmt nicht, davon abzulenken. Drei der für die diesjährige Ausgabe angekündigten acht Starköchinnen haben sich letztlich dazu entschieden, nicht an den Round Tables teilzunehmen, und schon letztes Jahr haben bekannte Starköche ihre Teilnahme abgesagt.

Nach Tel Aviv eingeladen war auch Tanja Grandits, Chefin des Luxusrestaurants Stucki in Basel. BDS Schweiz hat sie Mitte September in einem ersten Brief auf den Kontext und die Rolle der Round Tables Tour aufmerksam gemacht. Dabei haben wir auch auf die diesen Sommer erfolgte gesetzliche Verankerung der Apartheid in Israel durch ein neues Grundgesetz eingegangen: «Mit der Einführung des Nationsgesetzes, das vom israelischen Parlament im Juli 2018 verabschiedet worden ist, wurde die bereits seit Jahren herrschende Diskriminierung gegenüber der palästinensischen Bevölkerung Israels gesetzlich festgeschrieben. Es spricht Palästinenser*innen – immerhin 20% der Bürger*innen Israels – das Recht auf Selbstbestimmung im eigenen Land ab. Dieses Recht soll ausschliesslich dem ‹jüdischen Volk› zukommen. Hassan Jabareen, Direktor der NGO Adalah, weist darauf hin, dass das Gesetz Schlüsselelemente der Apartheid enthält, was nicht nur unmoralisch, sondern unter dem Völkerrecht absolut illegal ist.»

Auf unsere Bitte, ihre gastronomischen Talente nicht für das Verschleiern israelischer Menschen- und Völkerrechtsverletzungen zur Verfügung zu stellen, hat Grandits nicht reagiert. Auch auf ein zweites Schreiben kam keine Reaktion. Das ist umso verwunderlicher, als sich Grandits in anderen Zusammenhängen sehr wohl für solidarisches Handeln gewinnen lässt. So engagiert sie sich nicht nur in der offenen Kirche Elisabethen, die sich selbst in einer jüdisch-christlichen Tradition sieht, dabei aber explizit auf einen diskriminierungsfreien Zugang für alle „ungeachtet ihrer Herkunft, Hautfarbe, sexuellen Orientierung und Religion“ eintritt. Sie wurde kürzlich auch von der Menschenrechtsorganisation Terre des Hommes Schweiz als Botschafterin ernannt und veranstaltet ein Fundraising-Dinner zugunsten eines Frauenprojektes in Tansania, das den Sponsoren ein „gutes Gewissen“ verspricht. In einem Fall taub für Menschenrechtsverletzungen, im anderen werden sie hochgehalten und verteidigt? Wir hoffen, Tanja Grandits doch noch davon überzeugen zu können, dass auch die in ihren Rechten systematisch diskriminierte palästinensische Bevölkerung, allen voran die palästinensischen Frauen, ihre Aufmerksamkeit verdienen.

 

Über die internationale Kampagne gegen die Round Tables Tour, die auch 2018 mit der Absage von zwei Köchinnen einen Erfolg verbuchen konnte, informiert die Webseite des palästinensischen BDS-Komitees:

Don't participate in Israel’s #ApartheidRoundTables!

Top Chef Withdraws From Israel's Round Tables Culinary Propaganda Festival

Open Letter To Gabrielle Hamilton & Other Chefs In Israel's Round Tables Festival

 

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