Kein Pinkwashing an der Pride Zurich

19.06.2018

Categories: Andere, Kultur

Offener Brief an die Pride Zürich

Am 16. Juni 2018 trat die israelische Gewinnerin des Eurovision Song Contests an der Pride Zurich auf.

11 feministische und LGBTIQ*-Organisationen sowie sechs weitere politische Gruppen forderten in einem offenen Brief die Pride auf, den Auftritt von Netta Barzilai abzusagen und sich der BDS-Bewegung anzuschliessen.

Regenbogenfahnen und feministische Kämpfe sind kein Feigenblatt für Israels Verbrechen

Am 14. Mai wurden über 50 Palästinenser*innen von der israelischen Armee getötet, die gegen die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem und gegen die seit 70 Jahren stattfindenden ethnischen Säuberungen demonstrierten.

Am selben Tag verkündete die Pride Zürich stolz die Einladung von Netta Barzilai, Israels Vertreterin am Eurovision Song Contest 2018. Die Eurovision-Gewinnerin ist farbenfroh, steht zu ihrem Körper und unterstützt die #MeToo-Bewegung. Mit ihrer Performance ist Netta für viele eine hörbare feministische Stimme in der Popkultur und bietet damit Frauen* ein starkes und positives Vorbild. Aber als Eurovision-Kandidatin für Israel nimmt sie auch die Rolle der Botschafterin eines kolonialistischen und repressiven Staates ein. Mit ihrem Statement an der Preisverleihung, in dem sie sich dafür beglückwünschte, dass die nächste Eurovision in Jerusalem stattfinden werde, stellte sie sich offen und deutlich hinter die Annexionspolitik Israels. Premierminister Netanjahu fügte prompt hinzu, dass "diejenigen, die Jerusalem nicht im Eurovision Song Contest haben wollen, Eurovision in Jerusalem haben werden". Der Status Jerusalems ist international umstritten. Faktisch ist Stadt jedoch seit 1967 von Israel völkerrechtswidrig annektiert. Die Statements von Netta und Netanjahu unterstreichen den Anspruch Israels auf Jerusalem als Hauptstadt und legitimieren – wie die von der Trump-Regierung angeordnete Verlegung der US-Botschaft – die Kolonialisierungspolitik der israelischen Rechtsaussen-Regierung.

Palästinensische LGBTIQ*-Menschen sind gerade in Jerusalem und im Westjordanland unter israelischer Besatzung extremen Formen der Unterdrückung ausgeliefert. Die israelischen Besatzungstruppen setzen sie mit der Drohung, ihre sexuelle Orientierung und Identität öffentlich preiszugeben, unter Druck, um sie als Informant*innen anzuheuern. LGBTIQ*-Menschen leben in ständiger Angst, als Verräter*innen in ihrer Gemeinschaft geoutet zu werden. Tel Aviv wird oft als Paradies für palästinensische LGBTIQ*-Jugendliche beschrieben, die vor ihren Familien fliehen. Es ist aber die Besatzung, die sie zwingt, im Exil zu leben – illegalisiert und in ständiger Gefahr, abgeschoben zu werden. Die Besatzung verunmöglicht, sich zu organisieren, was den Kampf für LGBTIQ*-Rechte in Palästina um Jahrzehnte zurückgeworfen hat. Der Staat Israel spielt ein zynisches doppeltes Spiel, indem er ein progressives Image vermittelt und gleichzeitig LGBTIQ*-Menschen unterdrückt.

Die Förderung feministischer und LGBTIQ*-Künstler*innen ist Teil einer deklarierten Marketingstrategie des Staates Israel, die direkt vom Aussenministerium finanziert wird, um das Image Israels aufzupolieren: Pinkwashing. Aber können 70 Jahre Besatzung und tägliche Menschenrechtsverletzungen tatsächlich unter der Regenbogenflagge versteckt werden?

Wir fordern die Pride Zürich auf, der Aufforderung palästinensischer LGBTIQ*-Menschen nachzukommen, sich der BDS-Kampagne (Boykott, Desinvestition und Sanktionen) anzuschliessen und den Auftritt von Netta abzusagen

Solidarisieren wir uns mit den Kämpfen anderer! LGBTIQ*-Gruppen wie diejenige aus London, die in den 80er-Jahren streikende Bergarbeiter unterstützte, LGBTIQ*-Aktivist*innen, die sich heute für die Rechte von Migrant*innen einsetzen, oder die queere Brigade, die gegen den sogenannten Islamischen Staat in Syrien kämpft, zeigen den Weg.

Es lebe die Solidarität unter den Kämpfen gegen Patriarchat und Kolonialismus!

Unterzeichnet von:

Pinkwatching Israel
Feminista!
Slutwalk Suisse
Asile LGBT Genève
L'Escouade
Outrage Collectif

Frauen*raum Reitschule Bern
Wybernet
Verein Gendering
Kommunistische Jugend Schweiz - LGBTIQ*-Gruppe
Berlin against Pinkwashing

 

Weitere unterstützende politische Organisationen:

BDS Schweiz
Partei der Arbeit (PdA-POP) Schweiz
SolidaritéS Vaud
Collectif Urgence Palestine Vaud
Gesellschaft Schweiz-Palästina
JS-Vaud
BACAIA - Bernese Anarchists and Communists against Israeli Apartheid

 

Offener Brief als PDF

Not Israel’s toy! Protest gegen Pinkwashing an der Pride Zürich

Auch am Pride-Umzug wurde gegen den Auftritt von Netta als Botschafterin des Staats Israel protestiert. Mit ihrem Statement, der nächste Eurovision werde in Jerusalem stattfinden, stellte die Sängerin sich offen und deutlich hinter die Expansionspolitik Israels. Die israelische Rechtsaussen-Regierung unter Premierminister Netanjahu hat diesen Propaganda-Coup gefeiert. Während das israelische Regime so tut, als ob es eine weisse feministische Künstlerin feiert, knebelt es palästinensische LGBTIQ*-Menschen unter Besatzung und Apartheid.

Wir haben die LGBTIQ*-Menschen unterstützt, die sich an der Pride mit einem eigenen Block gegen die Vereinnahmung feministischer und LGBTIQ*-Kämpfe für die Propaganda eines rassistischen und kolonialistischen Staats wehren.

Impressionen vom LGBTIQ*-Block gegen Pinkwashing:

Pinkwashing and the Palestinian struggle for justice and freedom

Vortrag und Diskussion am Freitag, 15. Juni 2018 in Zürich

Die Förderung feministischer und LGBTIQ*-Künstler*innen ist Teil einer Marketingstrategie des Staates Israel, die direkt vom Aussenministerium finanziert wird, um das Image Israels wiederherzustellen: Pinkwashing. Mit der Selbstdarstellung als liberales Paradies für LGBTIQ*-Menschen soll von israelische Menschen- und Völkerrechtsverletzungen wie die jüngsten Angriffe auf Protestierende im Gazastreifen abgelenkt werden. Zynisch ist diese Strategie insbesondere angesichts der Repression, die palästinensische LGBTIQ*-Menschen unter der israelischen Politik erfahren.

Mit einem Bericht vom Kampf palästinensischer LGBTIQ*-Menschen in Israel/Palästina.

Und mit einer Aktivistin* von Berlin against Pinkwashing, die Widerstand leistet gegen israelisches Pinkwashing in Europa.

Auf Englisch - Kollekte

Es lebe die Solidarität zwischen den Kämpfen gegen Patriarchat und Kolonialismus!

In den Medien...

Der Protest gegen den Auftritt von Netta an der Pride Zürich und Pinkwashing wurde vom welschen LGBTIQ*-Magazin 360 aufgenommen:

Der offene Brief an die Pride Zürich wurde auch auf barrikade.info veröffentlicht und am Slutwalk in Genf vorgelesen.

Das Frauen*Info auf Radio LoRa hat am 18. Juni von der Pride berichtet. Stimmen aus dem Block gegen Pinkwashing sind in der Sendung ab Minute 13:50 zu hören (es lohnt sich aber auch, das ganze Frauen*Info zu hören!): Link zur Soundcloud

Die NZZ erwähnt in einem Kasten mit dem Titel "Eurovision-Siegerin singt in Zürich trotz Protesten" unsere Kritik am Konzert von Netta.

Im "Vorwärts" wurde das Statement der Kommunistischen Jugend Schweiz veröffentlicht, die ebenfalls zur Teilnahme am Block gegen Pinkwashing an der Pride Zürich aufgerufen hat.

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