Palästinensische Künstler_innen an Thom Yorke von Radiohead: „Kannst du uns hören?“

17.07.2017

Categories: Kultur

Lieber Thom Yorke,

Wir, palästinensische Kulturschaffende, schreiben dir, wie viele andere vor uns, mit nur einer Bitte: Dass du den Wunsch der grossen Mehrheit der palästinensischen Zivilgesellschaft respektierst und die Linie nicht übertrittst, die wir so klar abgesteckt haben.

Unser Aufruf zum Boykott ist eine Antwort auf die seit Jahrzehnten anhaltenden israelischen Menschenrechtsverletzungen, die Apartheidpolitik, die andauernde ethnische Säuberung, Hauszerstörungen, die Verweigerung der Rechte der Flüchtlinge, die 10-jährige Belagerung des Gazastreifens und die illegalen Siedlungen im besetzten Westjordanland. Das israelische Regime unterwirft uns der Fragmentierung, der Besatzung und dem Siedlerkolonialismus.

[...]

Es ist unmöglich, euer Ansehen als politisch fortschrittliche Band aufrecht zu erhalten und euch gleichzeitig weiterhin von der israelischen Regierung auf diese Weise benutzen zu lassen. Die offiziellen staatlichen Kanäle in den Sozialen Medien würdigten jedes einzelne deiner Worte, mit denen du unsere Aufforderungen zu einem Austausch abgelehnt hast. Vielleicht hast du vor, dich auf der Bühne in Tel Aviv zu äussern, auch wenn du vermutlich dieses Mal deine Worte nicht an „einige verdammte Leute“ richtest. Aber allein schon durch deine Präsenz billigst du die Politik des Regimes, durch kulturelle Mittel die Verbrechen an den Palästinenser_innen weisszuwaschen. Ganz gleich, was du sagst, du wirst dich unweigerlich dafür entschieden haben, den Dialog mit den Palästinenser_innen, die dich zu einer Absage baten, zu verweigern.

Nur zu sagen, du würdest Netanjahu nicht gutheissen, ändert nichts daran, dass die israelische Regierung deinen Auftritt und dein Ansehen für bestimmte politische Ziele nutzen wird (und bereits nutzt): Um damit von den Verbrechen an den Palästinenser_innen abzulenken. Wie der Vertreter der Aussenministeriums, Nissim Ben-Sheetrit, 2005 sagte: „Wir betrachten Kultur als ein erstrangiges Werkzeug der Hasbara (Propaganda), und ich unterscheide nicht zwischen Hasbara und Kultur.“ Euer und andere Auftritte sind zentral für das [Propaganda-] Programm „Brand Israel“. Die Jerusalem Post schrieb letzte Woche, deine Kommentare sei die „beste Hasbara, die Israel in letzter Zeit bekommen hat.“

 

Vollständiger Artikel auf Englisch, inklusive Liste der UnterzeichnendenÜbersetzung: BDS Schweiz

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