Schweizer Koch an Round Tables Tour in Tel Aviv

08.10.2017

Categories: Kultur

An Sven Wassmer, Koch im Restaurant 7132 Silver in Vals und Teilnehmer an der Round Tables Tour 2017 in Tel Aviv.

Wir schreiben Ihnen im Namen der unterzeichnenden zivilgesellschaftlichen Organisationen. Wir bitten Sie dringend, Ihre geplante Teilnahme an der Round Tables Tour, der kulinarischen Veranstaltung vom 29. Oktober bis 17. November 2017 in Tel Aviv, abzusagen. Dieser Anlass ist ein Versuch, mit haute cuisine die israelischen Verletzungen palästinensischer Grundrechte zu kaschieren.

Die Round Tables Tour präsentiert sich als „kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Dialog durch die Gastronomie“. In Wirklichkeit wird damit die alte Tradition des Austauschs kulinarischer Genüsse missbraucht, um die zahlreichen Verletzung palästinensischer Grundrechte, inklusive des Rechts auf Ernährungssicherheit, reinzuwaschen.

Unter den Partnern für den Anlass befindet sich das israelische Aussenministerium, das seit langem die „Marke Israel“ führt, mit deren Hilfe durch Kunst und Kultur von der entsetzlichen Menschenrechtsbilanz Israels abgelenkt und ein positives Image des Staates erschaffen werden soll. Das Unternehmen Dan Hotels, ein weiterer Partner und einer der Gastgeber des Festivals, betreibt ein Siedlungshotel, das auf gestohlenem palästinensischem Land im besetzten Ostjerusalem steht.

Laut Angaben der UNO verfügen lediglich 35% der palästinensischen Bevölkerung im besetzten Gebiet über einen sicheren und  ausreichenden Zugang zu Nahrungsmitteln. Durch israelische Militärangriffe werden Landwirtschaftsbetriebe, Gewächshäuser, Quellen und Landwirtschaftskulturen zerstört und unzählige Nutztiere getötet. Regelmässig schiessen israelische Scharfschützen auf palästinensische Bäuerinnen und Bauern im Gazastreifen.

Israel setzt im besetzten Westjordanland die Landwirtschaft gezielt ein, um im grossen Stil Land zu rauben, und verwendet zynische Kalorienberechnungen, um die Nahrungsmittelmenge zu bestimmen, welche die illegale Blockade des Gazastreifens passieren darf. Und palästinensische Bürger_innen Israels werden durch wiederholte Hauszerstörungen und den Ausschluss von der Grundversorgung, inklusive der Wasserversorgung, von ihrem Land vertreiben.

Diesen Sommer haben sich über Tausend palästinensische politische Gefangene in israelischen Gefängnissen an einem 40-tägigen Hungerstreik beteiligt, mit dem sie gegen die unmenschlichen Haftbedingungen, inklusive Folter, fehlende medizinische Versorgung und routinemässige Einzelhaft, protestierten.

Und während Sie problemlos nach Tel Aviv reisen können, verweigert Israel sieben Millionen palästinensischen Flüchtlingen und intern Vertriebenen, die Opfer der andauernden ethnischen Säuberung Israels wurden, ihr völkerrechtlich verbürgtes Rückkehrrecht.

2005 haben 170 Organisationen der palästinensischen Zivilgesellschaft zu Boykott, Desinvestition und Sanktionen gegen Israel (BDS) aufgerufen, um Druck auf den Staat Israel auszuüben, bis dieser die Menschenrechtsverletzungen, die bisher jahrzehntelang straflos weitergeführt werden konnten, beendet. Mit dem Aufruf werden Künstler_innen, Kulturschaffende, Akademiker_innen und auch Köch_innen aufgefordert, nicht in Israel aufzutreten. Die Liste derjenigen, die dem Aufruf Folge leisten, wächst ständig. Im letzten Jahr hat sich die Starköchin Kamilla Seidler aus der Round Tables Tour zurückgezogen, nachdem sie erfahren hat, welchem Zweck die Veranstaltung dient. Dieses Jahr hat bereits der irische Koch JP McMahon seine Teilnahme abgesagt.

Falls Sie sich entscheiden, in der geschützten und privilegierten Umgebung von Tel Aviv in unmittelbarer Nähe von Millionen von unterdrückten Palästinenser_innen zu kochen, ignorieren Sie nicht nur den Ruf der Unterdrückten, sondern helfen der israelischen Regierung, ihre Unterdrückung der Palästinenser_innen hinter einem Prestige zu verbergen, das mit ihrer Anwesenheit geschmückt werden kann.

Um es mit den Worten des berühmten Kämpfers gegen die südafrikanische Apartheid, Erzbischof Desmund Tutu, zu sagen: Mit dem Respektieren des palästinensischen BDS-Aufrufs sorgen Sie dafür, dass für die PalästinenserInnen nicht nur die „Brosamen vom Tisch der-jenigen, die sich für ihre Herrscher halten,“ übrigbleiben, sondern dass ihnen „ein komplettes Menü an Rechten“ serviert wird.

Wir bitten Sie, Ihre gastronomischen Talente nicht für das Verschleiern israelischer Menschen- und Völkerrechtsverletzungen zur Verfügung zu stellen. Sagen Sie ihre Teilnahme an der Round Tables Tour ab, bis jede_r einen Platz am Tisch hat.

Mit freundlichen Grüssen,

BDS Schweiz
Collectif Urgence Palestine Vaud
BDS Genève
Frauen für den Frieden Schweiz
Gesellschaft Schweiz-Palästina
Gerechtigkeit und Frieden in Palästina Bern
Berner Mahnwache für einen gerechten Frieden in Israel und Palästina
Palästina-Solidarität Region Basel
BDS Zürich
Collectif Action Palestine Neuchâtel-Jura

Land Defense coalition (LDC), Palästina
Palestinian Farmers Union (PFU), Palästina
Palestinian Environmental NGOs Network/Friends of the Earth-Palestine, Palästina
Stop the Wall Campaign, Palästina
Alternative Information Center (AIC), Palästina/Israel
Boycott! Supporting the Palestinian BDS Call from within, Israel

AK Nahost Berlin, Deutschland
Aktion Gerechter Frieden Nahost, Deutschland
BDS Berlin, Deutschland
BDS Hamburg, Deutschland
Deutsch-palästinensische Gesellschaft, Deutschland
Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost, Deutschland
Palästinakomitee Stuttgart, Deutschland

Vollständige Liste der 180 unterzeichnenden Organisationen

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